DIPLOMARBEIT

RFID – Einsatz der Technik in der Sanitätslogistik

Radio Frequency Identification, kurz RFID – die Zukunft der modernen Logistik? Doch auch für die Sanitätslogistik der Armeeapotheke? Die zweite Frage greift diese Arbeit auf und versucht sie zu klären, Horizonte zu öffnen und weiteren Vertiefungen eine Grundlage zu bieten.

Die Zusammenstellung nimmt drei Hauptthemen auf, bei denen RFID einen Nutzen bringen könnte. Im Teil "Temperaturüberwachung" wurde ein Konzept erstellt, wie man den gesetzlichen Anforderungen gerecht werden kann.
Des Weiteren wir beleuchtet, ob diese Form von Identifikation eine Möglichkeit bietet die Inventur zu unterstützten oder überflüssig zu machen.

Der dritte Hauptteil beschäftigt sich mit der Lokalisierung von Leihmaterial der Armeeapotheke. Dieses Leihmaterial wird einerseits an die Truppe aber auch direkt an Bundesämter abgegeben.

In dieser Arbeit wurde auch auf Grundlagen der Technologie eingegangen. Die Grundlagen wurden allerdings nur sehr einfach beschrieben. Für einen vertieften Einblick, in die Technik, eignet sich eines der vielen Fachbücher besser. Dennoch soll es die Möglichkeit bieten einen ersten Einblick zu geben. Vielfach sind die Grundlagen von RFID nicht bekannt und es kann schnell zu einer falschen Interpretation führen, was RFID wirklich ist und kann. Die Grundlagen helfen bei der ersten Einordnung.

Die Funktion von RFID ist eigentlich etwas Simples: Ein Datenaustausch, welcher berührungslos mit Hilfe von Funkwellen stattfindet. Ein einfaches Beispiel, was allerdings kaum jemand zur RFID – Technologie zählen würde, ist der Transponder in Flugzeugen. Dieser gibt in einem bestimmten Abstand ein Signal ab. So kann das Flugzeug, beziehungsweise dessen Position bestimmt werden. Dies ist nichts weiter als eine Identifikation über Funkwellen.
Ein RFID – Tag besteht aus einer Antenne und einem Chip (je nach Anwendung auch aus einem Microcontroller) und einem Kondensator für die kurzzeitige Energiespeicherung. Der Chip, dies kann auch einfach nur die Tag – Information sein, ist dazu da, die Daten zu speichern. Über die Antenne wird die Energie aufgenommen, im Kondensator zwischengespeichert und der Datenaustausch per Funkwellen durchgeführt. Um die Daten eines Chips zu lesen, benötigt man eine weitere Antenne, welche im Lesegerät integriert ist.

Im Gegensatz zum konventionellen Barcode kann man die Daten eines RFID – Tags auslesen, ohne dass dies bemerkt wird. Beim Barcode benötigt man eine visuelle Erfassung. Das heisst, wenn der Strichcode öffentlich zugänglich ist, kann dieser gelesenen werden. Da RFID mithilfe von unsichtbaren Funkwellen geschieht, ist dies für den Menschen nicht sichtbar. Dieses "versteckte" Auslesen von Daten bereitet vielen Menschen Angst. Wenn alle Dinge identifizierbar und nachverfolgbar sind, stellt dies das Individuum wieder vor gewisse Ängste. Es ist ein weiterer Schritt Richtung "gläsernen Menschen". Doch ist der Mensch dies nicht schon von sich aus, mit all den sozialen Netzwerken? Diese Problematik liegt wahrscheinlich an der Unsichtbarkeit der Daten. Im Bereich der Armee stellen sich grundsätzliche Risiken, welche sich nicht nur auf Technologien beziehen. Eine Identifikation ist im jedem Fall immer zu vermeiden. Wird die Identifikation der Truppe durch eine Technologie unterstützt, spielt dies einer Gegenseite in die Karten.

Die Einhaltung der entsprechenden Temperaturfenster ist eine gesetzliche Auflage, allerdings hat die AApot in einigen Bereichen einen blinden Fleck. Es kann nicht sichergestellt werden, welche Temperatur über welchen Zeitraum das Produkt hat.
Bis zum Wareneingang übernimmt der Lieferant die Verantwortung für die Temperatur der angelieferten Ware. Im eigenen Lager ist der AApot die Temperatur bekannt. Diese Lager sind mit einem Raumüberwachungssystem (RAS) ausgerüstet. Dieses System meldet, wenn der Temperaturbereich verlassen wird. Somit stellen die Prozessschritte "Warenanlieferung", "Warenannahme" und "Lager" kein Problem dar. Auf diesem Weg der "Supply Chain" ist die Ware überwacht, beziehungsweise die Umgebung der Ware wird überwacht.

Will man den oben beschriebenen "blinden Fleck" mit der Technologie RFID sichtbar machen, eignet sich ein semi – passiver RFID – Einsatz. Der Hauptgrund hierfür ist: Die Temperatur muss ab dem Abgang bei der AApot lückenlos überwacht werden.

Beim semi – aktiven RFID – Sensor weicht die Methode der Temperaturmessung und der Aufbau des Tags vom passiven Tag ab. Hier wird eine Batterie als Spannungsquelle verbaut. Diese Batterie dient allerdings nur der Stromversorgung während Messung, beziehungsweise für die Speicherung der Messwerte. Für die Kommunikation mit einem Reader wird wie beim herkömmlichen RFID – Tag die Spannung induktiv aufgenommen. Somit ist es nicht möglich, dass ein solcher Sensor – Tag selbstständig ein Signal abgibt. Er misst und speichert. Die Signale werde werden nur ausgegeben, wenn der Tag abgefragt wird. Bei diesen Sensoren variiert die Einsatzdauer durch Kapazität der verbauten Batterie. Einsatzdauern von bis zu zwei Jahren sind aber möglich. Ausserdem gibt es Hersteller, welche mit der Akku – Technologie arbeiten. Diese Tags sind wiederaufladbar. Allerdings ist die Einsatzdauer bei der Akkuvariante variante beträchtlich kleiner. Alle Lösungsansätze beruhen auf Möglichkeiten für den Einsatz der aktuell verfügbaren Technik. Im Bereich der Temperaturmessung steckt noch viel Potenzial für die Weiterentwicklung. Die Datenlogger sind keine günstigen Artikel, die lange einsetzbar sind. Die Einsatzdauer wird durch die verbaute Batterielebensdauer gesteuert. Die Möglichkeit besteht, dass künftig Produkte verfügbar sind, welche für eine längere Zeitspanne einsetzbar sind. Mit der Weiterentwicklung und Verbreitung solcher Messverfahren wird sicher auch die Anschaffung günstiger. Aktuell liegt der Preis für einen TELID®3xx Datenlogger bei 50-100€ pro Stück.  Mit der Temperaturüberwachung und Protokollierung versucht man den Vorgaben von Gesetzten gerecht zu werden. Dies könnte der Entwicklung von kostengünstigeren Produkten mit längerer Lebensdauer einen gewissen Aufschwung geben. Nicht nur die AApot muss diese Auflagen einhalten. Die Entwicklung einer "Plug and Play Lösung" könnte auch im Lebensmittelsektor eingesetzt werden. Die Auflagen an die Kühlkette bestehen auch dort, doch wird an Lebensmitteln meist eine punktuelle Temperaturmessung durchgeführt. Voraussichtlich wird dies im Lebensmittelsektor aus Kostengründen so gemacht.

Es geht darum, dass Kommissionierfehler minimiert werden. Somit werden Abweichungen im Lagerbestand möglichst klein gehalten.
Kann der Einsatz einer Identifikation per Funkwellen die oben beschrieben Fehler / Abweichungen reduzieren, minimieren oder eliminieren?

Technisch gibt es mehrere Möglichkeiten zur Identifizierung.

Eine automatische, bei der die Produkte durch Reader in Form eines Gates gezogen und registriert werden. Bei dieser Variante kann man von einer Kontrolle sprechen, welche den Mitarbeiter in seiner Arbeit kontrolliert.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Mitarbeiter RFID bewusst einsetzt zur Produkteidentifikation. Hier hilft die Technik zum Durchführen eines Arbeitsschritts.

Die Anschaffung und Integration dieser Technik für die Verbesserung der Kontrolle des Lagerbestand oder der Arbeiten auf dem Komissionierplatz steht in keinem Verhältnis zum Mehrwert.

Vor allem die Überwachung der Bereitstellung deckt nur einen kleinen Teil im Gesamtprozess ab. In allen anderen Prozessschritten können dennoch Fehler entstehen, welche unbemerkt weiterhin Einfluss auf die Lagerbestände und somit auf das Inventar haben.

Anders sieht es aus, wenn RFID bereits flächendeckend oder in Teilbereichen eingesetzt wird. In diesem Fall erzielt man mit einem geringen Mehraufwand eine Optimierung. Allenfalls erübrigt sich auch der Aufbau eines Kontrollsystems, da RFID die Prozesse unterstützt und die Fehler dadurch bereits minimiert werden.
Die Nutzen steigt massiv, wenn es sich um Medikamente handelt, welche geschützt verwaltet werden müssen. Sei es zum einen, weil diese Medikamente aufgrund ihrer Inhaltsstoffe besonders schützenswert sind, hierbei kann es sich um sehr rare Produkte handelt, oder um Produkte bei welchen eine Wiederbeschaffung komplex ist.

Für die Problemstellung Leihmaterial wurde keine Sinnvolle Lösung gefunden, welche auf die Technologie RFID basiert. Somit wurden zwei Alternative aufgezeigt, allerdings nicht vertieft.

 

 

  Datum   24.10.2019
Studiengang Dipl. Techniker/-in HF Unternehmensprozesse
Fachbereich Logistik
Typ Diplomarbeit HF
Student Ronny Zimmermann
Examinator Thomas Biedermann
Partner Armeeapotheke